Die Judo-Abteilung des PostSV Augsburg e.V. ist zum 01.07.2015 zum Judo-Club Augsburg e.V. gewechselt. Diese Seiten bleiben als als Archiv weiterhin bestehen, es werden jedoch keine aktuellen Informationen mehr ergänzt.

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Erstversorgung von Verletzungen

Ich habe mit Absicht "Erstversorgung" geschrieben und nicht "Behandlung", denn ein Arztbesuch ist bei einer Sportverletzung durchaus anzuraten.
Leider erweißt es sich im Alltag von Training und Wettkampf immer wieder, daß viel zu wenig über Erste Hilfe und die Versorgung von Sportverletzungen bekannt ist. Einen Erste Hilfe Kurs kann weder diese noch irgendeine andere Seite im Internet ersetzen (ist auch nicht das Ziel). Hier sollen lediglich einige Empfehlungen gegeben werden, um typische, frische Sportverletzungen zu versorgen.

Verletzungsursachen

Die Ursache von Sportverletzungen ist in den meisten Fällen mangelhaftes oder falsches Aufwärmen. Dehnübungen z.B. haben beim Aufwärmen nichts zu suchen, wer wissen will warum soll bitte hier nachlesen.
Bei Wettkämpfen kann man immer wieder beobachten, wie sich alle Athleten vor bzw. nach dem Wiegen aufwärmen und sich dann irgendwo niederlassen, um die Kämpfe der anderen zu verfolgen, zu ratschen oder zu schlafen. Wozu dann das Aufwärmen?
Bis zum ersten Kampf ist der gesamte Effekt des Aufwärmens wieder verflogen: Unmittelbar vor dem Kampf beschränkt sich das Aufwärmen auf 3 mal Armkreisen, ein bißchen kontraproduktives Dehnen und aus dem abklopfen des ganzen Körpers - aufgewärmt hat man sich ja schon in der Früh, jetzt ist das nicht mehr nötig...
Außerdem sind auch oft Müdigkeit, Trainingsüberlastung oder Vorschäden (z.B. starker Muskelkater, Prellungen, Zerrungen etc) die Ursache für eine Verletzung.

Allgemeine Tips bei Verletzungen

Wenn man sich an die PECH-Regel hält, kann man in den meisten Fällen nichts falsch machen:
P    Pause
E    Eis, die betroffene Körperstelle kühlen
C    Compress, d.h. einen Kompressionsverband anlegen / das Gewebe zusammendrücken
H    Hochlagern

Pause

Pause bedeutet nicht 5 Minuten an den Rand sitzen bis der akute Schmerz abgeklungen ist, sondern auch wenn es sehr schwer fällt, sollte das Training zumindest für diesen Abend/Tag beendet werden.

Eis bzw. Kühlen

Die Anwendung von Eis zielt entgegen der verbreiteten Meinung nur darauf ab, den Schmerz zu stillen. Sie vermindert nicht die Blutzufuhr in das zerstörte Gewebe. Im Gegenteil, nach dem Beenden der Kühlung beginnt der Körper die unterkühlte Stelle wieder aufzuwärmen und weitet die Blutgefäße um mehr Blut an die kalte Stelle zu bringen.
Bei der Auswahl des Kühlmediums gilt zu bedenken, daß die Stelle nicht tiefgefroren sondern 'nur' gekühlt werden soll (nie unter 4°C). Also kein Eis direkt auf die Haut bringen, bei Taubheitsgefühl oder Reifbildung das Kühlen sofort entfernen.
Neben Eiswasser sind Kühlpackungen am besten geeignet, die bei Bedarf durch das zerstören eines inneren Beutels kalt werden. Sie sind allzeit bereit und nicht zu kalt.

Komprimieren

Die Kompression ist die wichtigste Maßnahme bei der Erstversorgung der meisten Sportverletzungen. Der Kompressionsverband minimiert weitere Einblutungen in das verletzte Gewebe und unterstützt dadurch den Heilungsprozeß.
Eine ausreichend breite und lange Elastikbinde leistet hier ausgezeichnete Dienste. Mit der Binde großzügig den verletzten Bereich verbinden (dabei die Binde immer leicht dehnen) - Kühlpacks kommen auf die Binde.

Hochlagern

Neben der Kompression kann man auch durch die Lagerung der betroffenen Körperregion über Brusthöhe die Einblutung verringern. Lagerung bedeutet, daß keine Muskelkraft nötig ist um den Körperteil in dieser Lage zu halten.

Salben, Cremes & Co

Die ersten 24h nach einer Verletzung ist es kontraproduktiv eine Sportsalbe zu verwenden, weil durch die Anwendung der Salbe die Gefäße geweitet werden und die Einblutung, die zuvor mühsam durch Kompression gestoppt wurde, wieder in Gang gesetzt wird.
Die Verwendung von Salben ist größtenteils Glaubenssache, Untersuchungen haben aber ergeben, daß Salben mit dem Wirkstoff Diclofenac nachhaltig das Knorpelgewebe schädigen können.

Muskelverletzungen

Muskelkater

Muskelkater entsteht durch einseitige Überlastung der Muskulatur. Inzwischen ist auch eindeutig nachgewiesen, daß Muskelkater nicht durch Milchsäure oder ähnliches entsteht. Muskelkater entsteht durch kleine Einrisse in den Muskelfasern die sich entzünden. Eine eigentlich relativ harmlose Angelegenheit. Abhilfe schafft eine stärkere Durchblutung der Muskulatur, ob diese jetzt durch lockeres Laufen, Duschen, Baden oder Sauna erreicht wird ist jedem selber überlassen.
Bis der Reparaturvorgang in der Muskulatur abgeschlossen ist, ist der Muskel anfällig für weitere Verletzungen!

Muskelprellung

Durch einen Schlag oder Stoß wurde hier ein stechender Schmerz ausgelöst, der aber rasch abklingt. Das Gewebe ist für heute verletzungsanfälliger als gewöhnlich.

Muskelzerrung

Bei einer Muskelzerrung sind  Muskelfasern überdehnt worden und finden nicht mehr in ihre ursprüngliche, natürliche Position zurück (ähnlich einer Streichholzschachtel, die zu weit aufgemacht wurde und nicht mehr zugeht).
-> PECH-Regel

Muskelfaserriß

Hier ist eine oder mehrere Muskelfasern gerissen, die Lücke ist manchmal tastbar.
-> PECH-Regel
-> Arztbesuch

Verletzungen an Gelenken

Alle Gelenkverletzungen sind kein Spaß und sollten wirklich von einem Arzt untersucht werden.

Bänderdehnung (z.B. am Sprunggelenk)

-> PECH-Regel

Ausrenkung

-> Krankenwagen anrufen
-> alles genau so lassen wie es ist, nach Möglichkeit gegen den Schmerz kühlen und gut zusprechen.


Diese Ratschläge wurden nach bestem Wissen und Gewissen und auf der Grundlage von Fortbildungen, Erste-Hilfe-Kursen und Vorlesungen zusammengestellt. Eine Garantie für die Richtigkeit, sowie jegliche Haftung für evtl. Schäden die durch die Anwendung entstehen wird ausgeschlossen.